Mademoiselle Marie

Das junge kreative Magazin

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Viel Glitzer, wenig Neues – ein Trendreport

Wieso interessiert sich so ein Heft wie Mlle Marie eigentlich für Trends? Was ist mit der angepriesenen Unabhängigkeit? -Gute Frage! Aber frau erkennt, sich für ihr Umfeld interessierend, unweigerlich gewisse Entwicklungen, ob sie einer gefallen oder nicht. Vor allem, wenn frau geballt zu sehen bekommt, was in Zukunft voraussichtlich beliebt sein wird. So wie auf der Premium, einer großen Modemesse, die zuletzt während der Fashion Week Berlin im Januar stattfand.

Hauptsache glitzernd!

Was sich im letzten Jahr abgezeichnet hat, wird weitergeführt. Das große Thema scheint Luxus zu sein. Viele Labels werden nicht müde, Glitzer in allen Formen und Farben über ihre Kollektionen rieseln zu lassen. Der Glanz setzt sich fort in spiegelnden Oberflächen, beispielsweise in metallisch glänzenden Jackenstoffen. Die gehen dann eher in die sportliche Richtung, während das Klassisch-Luxuriöse sich in Samt und Seide materialisiert. Samt ist im letzten Jahr sowieso schon zum Lieblingsmaterial für alles und jeden avanciert (zu Recht!), Seide lässt sich gut mit dem neuen Pyjama-Style verbinden. Um den auszuleben, muss es aber noch etwas wärmer werden…bis dahin empfiehlt dir die Modeindustrie hochgeschlossene Blusen mit vielen Rüschen und Schleifenbändern am Kragen. Darüber dann noch einen der -leider!- modischen Pelzmäntel. Echter Pelz ist nicht nur unter TierschützerInnen in Verruf geraten, darum Kunstpelz, und wenn schon, denn schon; stellen wir den Pelz eben in hellblau-gelb-gescheckt her, für die Vintage-Fans auch in Brauntönen. Naja. Mir persönlich gefallen die Applikationen und Broschen mit Insektenmotiven, vor allem Bienen, besser. Sie lösen nicht nur einen kindlichen Schlüsselreiz aus, sondern können auch als Protest gegen das Bienensterben gedeutet werden. Das Ärgerliche ist nur, dass ich mir jetzt nicht auch einfach so ein Teil basteln kann, weil ich dann zu den Leuten zählen würde, die Trends befolgen. Es ist kompliziert…

Damit die Insekten nicht verhungern, gibt es viele Blumenmuster, die überraschend geschmackvoll wirken. Eher abstrakt und reduziert, in angenehmen Farben. Außerdem sind insgesamt viele Stoffe mit großflächigen Prints zu sehen, die z.B. Stein-Strukturen imitieren, ein aufregender Kontrast zwischen Schein und Sein.

Natürlich sind das nur ein paar Trends, die Mlle Marie aufgefallen sind, es gibt sicher auch ganz andere Entwicklungen, die ihr komplett entgangen sind. Wir müssen Trends nicht befolgen, aber wir dürfen sie  beachten. Denn Trends sagen viel über die Gesellschaft aus, in der wir leben. Wieso beispielsweise ist Luxus ein Thema, dem so viel gestalterische Aufmerksamkeit zuteil wird? Ist es die Sehnsucht nach Aufstieg, wenn frau sich den bestickten Seidenblouson für zwanzig Euro bei, sagen wir mal, Zara kauft? Ist es die Reaktion auf die ständige Umverteilung in die falsche Richtung, also von unten nach oben? Die Armen trösten sich mit einem Fitzelchen Pannesamt, während die Reichen eingekleidet werden, um sich wie KönigInnen zu fühlen…Vielleicht suchen wir auch Zuflucht in Modeträumen aus der Vergangenheit, um nicht den rauer werdenden Verhältnissen in der Gegenwart ins Auge sehen zu müssen. Vielleicht versuchen wir aber auch im Gegenteil, mit unserer Glitzer-Tube die Welt ein bisschen schöner zu machen. Glitzer in der Männermode hätte zudem einen Befreiungs-Aspekt, aber leider taucht das Glitzer bisher vor allem bei den Frauen auf. -Welche Entwicklungen beobachtest du? Deutest du das ganz anders? Welcher Trend wäre dringend nötig? Geht das, einen Trend selbst beginnen?

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Name: Jule

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