Mademoiselle Marie

Das junge kreative Magazin

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Eine literarische Entdeckung zum Thema Mode

Dieses Gedicht habe ich in einem alten Lyrik-Sammelband gefunden und bin so begeistert, dass ich es euch dringend zeigen muss! Es ist von Rudolf Baumbach (1840-1905) und wurde 1904 veröffentlicht. Sehr modern!

Liebchen

Liebchen heut in Gesellschaft geht,
Zeigt sich in raschelnder Seide,
Fragt mich, wie ihr das Hütchen steht
Und die Schleppe am Kleide.

Wie ich die schlanke Jugendgestalt
Must’re mit prüfenden Blicken,
Rieselt ein Schauer mir eisig kalt
Plötzlich hinunter den Rücken.

Alles, vom Stiefelchen bis zum Hut
Sitzt dir wie angegossen,
Aber wie viel unschuldiges Blut
Ist um dich, Teure, geflossen!

Seidenwürmer wohl tausend und mehr
Mussten ihr Leben lassen
Für den Stoff, den du hinter dir her
Schleppst durch die staubigen Gassen.

Für dein zierliches Stiefelpaar
Musste ein Kälbchen verenden,
Und Hermeline, ein Dutzend gar,
Mussten die Fellchen dir spenden.

Deine Handschuhe, glatt und weich,
Gab dir ein blökendes Lämmlein,
Und die Schildkröt’ im kühlen Teich
Lieferte dir das Kämmlein.

Walfisch schwamm im eisigen Meer
Fröhlich hin und wieder.
Stirb und gib dein Fischbein her!
Liebchen braucht es für’s Mieder.

Pfeilgetroffen ein Elefant
Musste im Urwald erblassen.
Hat für den Fächer in deiner Hand
Leben und Zähne gelassen.

Sterbend gab dir der Wüstenstrauss
Wallende Federn als Steuer. –
Trinke auch mir die Seele aus,
Reizendes Ungeheuer!

 

Viel Glitzer, wenig Neues – ein Trendreport

Wieso interessiert sich so ein Heft wie Mlle Marie eigentlich für Trends? Was ist mit der angepriesenen Unabhängigkeit? -Gute Frage! Aber frau erkennt, sich für ihr Umfeld interessierend, unweigerlich gewisse Entwicklungen, ob sie einer gefallen oder nicht. Vor allem, wenn frau geballt zu sehen bekommt, was in Zukunft voraussichtlich beliebt sein wird. So wie auf der Premium, einer großen Modemesse, die zuletzt während der Fashion Week Berlin im Januar stattfand.

Hauptsache glitzernd!

Was sich im letzten Jahr abgezeichnet hat, wird weitergeführt. Das große Thema scheint Luxus zu sein. Viele Labels werden nicht müde, Glitzer in allen Formen und Farben über ihre Kollektionen rieseln zu lassen. Der Glanz setzt sich fort in spiegelnden Oberflächen, beispielsweise in metallisch glänzenden Jackenstoffen. Die gehen dann eher in die sportliche Richtung, während das Klassisch-Luxuriöse sich in Samt und Seide materialisiert. Samt ist im letzten Jahr sowieso schon zum Lieblingsmaterial für alles und jeden avanciert (zu Recht!), Seide lässt sich gut mit dem neuen Pyjama-Style verbinden. Um den auszuleben, muss es aber noch etwas wärmer werden…bis dahin empfiehlt dir die Modeindustrie hochgeschlossene Blusen mit vielen Rüschen und Schleifenbändern am Kragen. Darüber dann noch einen der -leider!- modischen Pelzmäntel. Echter Pelz ist nicht nur unter TierschützerInnen in Verruf geraten, darum Kunstpelz, und wenn schon, denn schon; stellen wir den Pelz eben in hellblau-gelb-gescheckt her, für die Vintage-Fans auch in Brauntönen. Naja. Mir persönlich gefallen die Applikationen und Broschen mit Insektenmotiven, vor allem Bienen, besser. Sie lösen nicht nur einen kindlichen Schlüsselreiz aus, sondern können auch als Protest gegen das Bienensterben gedeutet werden. Das Ärgerliche ist nur, dass ich mir jetzt nicht auch einfach so ein Teil basteln kann, weil ich dann zu den Leuten zählen würde, die Trends befolgen. Es ist kompliziert…

Damit die Insekten nicht verhungern, gibt es viele Blumenmuster, die überraschend geschmackvoll wirken. Eher abstrakt und reduziert, in angenehmen Farben. Außerdem sind insgesamt viele Stoffe mit großflächigen Prints zu sehen, die z.B. Stein-Strukturen imitieren, ein aufregender Kontrast zwischen Schein und Sein.

Natürlich sind das nur ein paar Trends, die Mlle Marie aufgefallen sind, es gibt sicher auch ganz andere Entwicklungen, die ihr komplett entgangen sind. Wir müssen Trends nicht befolgen, aber wir dürfen sie  beachten. Denn Trends sagen viel über die Gesellschaft aus, in der wir leben. Wieso beispielsweise ist Luxus ein Thema, dem so viel gestalterische Aufmerksamkeit zuteil wird? Ist es die Sehnsucht nach Aufstieg, wenn frau sich den bestickten Seidenblouson für zwanzig Euro bei, sagen wir mal, Zara kauft? Ist es die Reaktion auf die ständige Umverteilung in die falsche Richtung, also von unten nach oben? Die Armen trösten sich mit einem Fitzelchen Pannesamt, während die Reichen eingekleidet werden, um sich wie KönigInnen zu fühlen…Vielleicht suchen wir auch Zuflucht in Modeträumen aus der Vergangenheit, um nicht den rauer werdenden Verhältnissen in der Gegenwart ins Auge sehen zu müssen. Vielleicht versuchen wir aber auch im Gegenteil, mit unserer Glitzer-Tube die Welt ein bisschen schöner zu machen. Glitzer in der Männermode hätte zudem einen Befreiungs-Aspekt, aber leider taucht das Glitzer bisher vor allem bei den Frauen auf. -Welche Entwicklungen beobachtest du? Deutest du das ganz anders? Welcher Trend wäre dringend nötig? Geht das, einen Trend selbst beginnen?

Weihnachtliche Grüße

Wir wünschen euch allen schöne, friedliche Weihnachtstage! Erholt euch von den Anstrengungen des Alltags, esst Plätzchen, solange noch welche da sind, träumt ein bisschen…
Für´s neue Jahr versprechen wir, endlich die nächste „Mademoiselle Marie“-Ausgabe herauszubringen. Dieses Jahr waren wir leider zu beschäftigt damit, Abitur zu machen und uns an die neue nach-schulische Situation zu gewöhnen. (Zitat aus dem immerhin schon angefangenen Intro der elften Ausgabe: „Liebe LeserInnen, eigentlich sollte sich die Redaktion gerade im absoluten Abitur-Lernrausch befinden. Aber es ist doch viel wichtiger…“ An dieser Stelle bricht der Text ab. -War die Schulstunde zuende?)

Mlle Marie grüßt ganz herzlich mit einem kleinen weihnachtlichen Fotoshooting – Falls die Outfit-Idee noch fehlt…

das Leben eines Geschenkes

erwartungsvoller Weihnachtsbaum

Weihnachtstraditionen

Engel mit Hochzeitsplänen

Mode und Moral

IMG_0115Auf den Messen der Fashionweek:

Häuser voller Hallen, Hallen voller Stände, Stände voller Kleidung. Dazwischen Menschen, die sich aus ganz speziellen Gründen für die ausgestellte Mode interessieren. Die einen wollen sie präsentieren und verkaufen, die anderen wollen Bestellungen für ihr Ladensortiment machen, die nächsten verschaffen sich einen Überblick über die kommenden Trends und neuen Labels, treffen Bekannte und knüpfen Kontakte. Und dann gibt´s da noch diese Presseleute, die für oder über die Modebranche berichten. Zu letzteren gehören (im Kleinformat) auch wir von Mlle Marie! Und da wir völlig unabhängig berichten können, müssen wir nicht nur die schönen und angenehmen Seiten der Mode thematisieren.

Denn angesichts der ungeheuren Berge an Bekleidung, die jährlich produziert werden, um den seltsamen Vorgaben der Trends zu genügen und die Textilindustrie am Laufen zu halten, fragt man sich schon, ob Mode eigentlich moralisch vertretbar ist.

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Greenshowroom und Ethical Fashion Show

...und hier das dazugehörige Ethical-Fashion-Show-Plakat.

…und hier das dazugehörige Ethical-Fashion-Show-Plakat.

Plakat des Greenshowrooms 2016

Plakat des Greenshowrooms 2016

 

 

 

 

Thematisch besonders interessant ist die Öko- und Fair-Messe, die offiziell aus zwei unterschiedlichen Messen besteht. Sie findet im Postbahnhof statt. Die Stimmung unterscheidet sich sehr von den anderen Messen. Es gibt keine bedruckten Taschen, dafür selbstgebackene Kekse, fair angebaute Orangen und Bio-Limonade. Die Hallen sind überschaubar, hell und freundlich. Die Aussteller stammen teils von verhältnismäßig großen Firmen, teils stehen die Geschäftsführer, die gleichzeitig auch alles andere machen, selbst vor ihren Kollektionen und erzählen uns enthusiastisch, wieso ihr Label beim Welt-Retten hilft. Reet Aus z.B. hat sich auf Upcycling aus Fabrik-Stoffresten spezialisiert. Andere Labels entwickeln neue Materialien, so Feuervogel, das Mode aus Bambusfasern (Stichwort nachwachsende Rohstoffe) herstellt und in Jeans Muster lasern lässt. Wir sehen auch Regenjacken aus alten Plastikflaschen, viele Siebdruckshirts und vegane Lederschuhe. Obwohl es Ausnahmen gibt, muss man zugeben, dass die Fair/Öko-Mode noch ziemlich staubig ist, was die Designs angeht. Strick mit Filzelementen ist keine Seltenheit und auch sonst geht es modisch gesehen eher unexperimentierfreudig zu. Aber wer nach lockeren Sweatshirtpullis und nett bedruckten T-Shirts mit gutem Gewissen sucht, findet einiges! Schau dir einfach mal die ausstellenden Labels auf greenshowroom.com an. Und schließlich kann man davon ausgehen, dass es in den kommenden Jahren mit dieser Branche bergauf geht!

 

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